Warum Zeitmanagement oft nicht das eigentliche Problem ist

Warum Zeitmanagement oft nicht das eigentliche Problem ist

Lisa Kirbs
von Lisa Kirbs

Ich habe schon mit vielen Kunden an den Themen Zeitmanagement, Organisation und Tagesplanung gearbeitet.

Was mir dabei immer wieder aufgefallen ist:
Manchmal ist Zeitmanagement gar nicht das eigentliche Problem.

Ja, Techniken und Tools können enorm dabei helfen, sich besser zu strukturieren und organisieren.
Eine gute Planung, klare Prioritäten, ein übersichtlicher Kalender oder die passende Zeitmanagement-Methode können den Arbeitsalltag erleichtern und dabei helfen sich zu fokussieren, Deadlines einzuhalten und wichtige Aufgaben nicht zu vernachlässigen.

Ich möchte Zeitmanagement-Methoden deshalb überhaupt nicht schlecht machen. Sie können wirklich sehr effektiv sein.

Doch oft liegt hinter Zeitproblemen im Alltag etwas ganz anderes und es lohnt sich die Situation einmal genauer zu betrachten. 

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Denn was bringt die beste Planung, wenn die To-do-Liste jeden Tag wieder voller wird, weil grundsätzlich zu viele Aufgaben übernommen werden?

Was bringt eine perfekte Priorisierung, wenn es schwerfällt, Nein zu sagen?

Was bringt ein gut strukturierter Zeitplan, wenn es schwer fällt, diesen einzuhalten, weil Unpünktlichkeit zur Gewohnheit geworden ist?

Und was bringt ein noch effizienteres System, wenn eigentlich gelernt werden müsste, Verantwortung abzugeben und Aufgaben zu delegieren?

Das ist ein bisschen so, wie zu einem Arzt zu gehen und ein Medikament gegen ein Symptom einzunehmen, ohne die eigentliche Ursache zu betrachten.

Eine Kopfschmerztablette kann kurzfristig helfen, die Kopfschmerzen zu lindern. Das ist zunächst einmal gut. Doch wenn die Kopfschmerzen immer wieder kommen, weil bestimmte Dinge im Leben dauerhaft „Kopfschmerzen" bereiten, wäre es sinnvoll dahingehend etwas zu unternehmen.

Ähnlich kann es beim Zeitmanagement sein.

Ich hatte mal einen Kollegen, der kaum Zeit für Besprechungstermine hatte und immer wieder sagte: 

"Wenn das Projekt beendet ist, dann wird es ruhiger."

Aber dann kam das nächste und das übernächste Projekt. Es wurde im Grunde nie ruhiger und er war permanent im Zeitstress.

Zeitmanagement oder zu hohe Anforderungen?

Viele Menschen, die sagen, dass sie ein Problem mit ihrem Zeitmanagement haben, haben oft eins gemeinsam:

Sie haben zu sehr viel zu tragen:
Verantwortung im Beruf, Termine, Deadlines, Mitarbeitende, Kunden, Projekte, E-Mails und Meetings....

Dazu kommen etliche privaten Verpflichtungen:
Familie, Kinderbetreuung, Haushalt, Sport, Freizeitstress und alles, was das Leben sonst noch mit sich bringt.

Irgendwann wird der Kalender immer voller und die Zeit immer knapper.

Dabei vergessen wir manchmal eine ganz einfache Tatsache:

Wir haben zwar alle 24 Stunden am Tag zur Verfügung, aber unsere Energie, Aufmerksamkeit und Konzentration sind begrenzt.

Unser Fokus ist endlich.

Wir können nicht dauerhaft auf höchstem Niveau arbeiten, gleichzeitig erreichbar sein, Entscheidungen treffen, Probleme lösen, für andere da sein und nebenbei noch ein erfülltes Privatleben führen, ohne dass irgendwann die Belastungsgrenze erreicht ist.

Deshalb geht es bei einem dauerhaften Gefühl von Überlastung nicht immer nur darum, die vorhandene Zeit besser zu organisieren.
Manchmal lohnt sich auch ein Blick darauf, ob das eigene Pensum überhaupt noch realistisch ist und welche Aufgaben, Anforderungen oder Verantwortlichkeiten möglicherweise reduziert werden dürfen.

Vielleicht liegt das Problem also nicht darin, dass die 24 Stunden schlecht geplant werden.
Vielleicht werden einfach zu viele Dinge in diese 24 Stunden hineingepackt.

Ständige Erreichbarkeit und fehlende Abgrenzung

Menschen, die viel Verantwortung tragen, haben häufig auch hohe Ansprüche an sich selbst.

Sie möchten zuverlässig sein. Sie möchten ihre Aufgaben gut erledigen. Sie möchten für ihre Mitarbeitenden, Kunden oder Geschäftspartner erreichbar sein und anerkannt werden.
Und natürlich möchten sie auch privat ihren Verpflichtungen gerecht werden.

Das führt schnell dazu, dass alles gleichermaßen wichtig erscheint:

Die E-Mail muss noch beantwortet werden. Der Kunde wartet auf schnelle Rückmeldung. Das kommende Gespräch muss vorbereitet werden. Die Präsentation ist noch nicht fertig. Zu Hause wartet der Stapel Wäsche und der Kühlschrank ist auch leer.

Und weil  es immer noch etwas zu tun gibt, wird die Pause verschoben. Auch der Feierabend verschiebt sich nach hinten. Das Wochenende wird zur Arbeitszeit. Ausnahmsweise. Und dann noch einmal.

Bis dieses Verhalten irgendwann zur Gewohnheit wird.

Gerade beim Zeitmanagement spielt deshalb auch die eigene Abgrenzung eine wichtige Rolle. Ständige Erreichbarkeit und der Anspruch, für alles und jeden verfügbar zu sein, können den eigenen Arbeitstag enorm ausdehnen.

Dabei entstehen viele dieser Erwartungen nicht ausschließlich von außen. Häufig haben wir selbst einen großen Anteil daran, wie viel wir uns aufladen und welchen Anspruch wir an unsere eigene Verfügbarkeit stellen.

Ein bewusster Umgang mit der eigenen Zeit bedeutet deshalb auch, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und nicht jede Anforderung automatisch zur eigenen Aufgabe zu machen.

Nein sagen ist auch Zeitmanagement

Ein Thema, das beim Zeitmanagement häufig unterschätzt wird, ist die Fähigkeit, Nein zu sagen.

Denn jedes Ja zu einer neuen Aufgabe bedeutet auch, dass diese Zeit an anderer Stelle fehlt.

Wenn ein zusätzlicher Termin angenommen wird, steht diese Zeit nicht mehr für eine bestehende Aufgabe zur Verfügung. Wenn einem Kunden spontan noch etwas zugesagt wird, kostet dies womöglich Zeit, die dann anderswo fehlen könnte.

Und wenn die Aufgabe eines Mitarbeitenden übernommen wird, weil es schneller geht, ist zwar kurzfristig ein Problem gelöst, gleichzeitig wird aber die eigene To-do-Liste länger.

Deshalb bedeutet gutes Zeitmanagement nicht nur, die vorhandene Zeit möglichst effizient zu verplanen.

Es bedeutet auch, bewusst zu entscheiden, welche Aufgaben überhaupt übernommen werden und welche Anforderungen nicht automatisch zur eigenen Verantwortung werden müssen.

Besonders das Nein-Sagen fällt vielen Menschen schwer.

Dahinter können ganz unterschiedliche Gründe stecken:
Der Wunsch nach Zuverlässigkeit, niemanden zu enttäuschen, Konflikte zu vermeiden oder einfach die Gewohnheit, immer selbst eine Lösung zu finden.

Auch hier zeigt sich: Das Problem ist nicht immer die Organisation der Zeit.

Manchmal geht es um die Art und Weise, wie mit Erwartungen und Verantwortlichkeiten umgegangen wird.

Muss ich wirklich alles selbst erledigen?

Gerade bei Unternehmern und Führungskräften begegnet mir häufig das Thema Delegation.

Eigentlich wäre es sinnvoll, Aufgaben abzugeben. Trotzdem fällt es schwer.

Vielleicht geht es schneller, wenn die Aufgabe selbst erledigt wird.

Vielleicht besteht das Gefühl, dass niemand die Aufgabe so gut erledigt wie man selbst.

Vielleicht möchte man die Kontrolle behalten.

Oder man möchte andere nicht zusätzlich belasten.

Und so übernimmt man immer mehr Aufgaben, obwohl die eigene Rolle eigentlich längst eine andere wäre.

Wer als Führungskraft oder Unternehmer dauerhaft operative Aufgaben übernimmt, die eigentlich von anderen erledigt werden könnten, schafft sich damit zwangsläufig zusätzliche Arbeit.

Auch hier kann eine Zeitmanagement-Methode nur begrenzt helfen. Denn wenn weiterhin jede Aufgabe selbst übernommen wird, kann der Kalender noch so schön strukturiert sein – irgendwann ist er wieder voll.

Zeitmanagement hat deshalb auch viel mit Rollenverständnis, Verantwortung und Delegation zu tun.

Wenn Beschäftigtsein zum Dauerzustand wird

Ein weiterer Punkt, den ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte: Manche Menschen haben sich so sehr daran gewöhnt, ständig beschäftigt zu sein, dass Pausen fast ungewohnt werden.

Ich habe schon mit einigen Kunden gearbeitet, die sich kaum erlauben konnten, einfach einmal nichts zu tun.

Nicht, weil sie keine Zeit dafür gehabt hätten. Sondern weil sich „nichts tun“ falsch angefühlt hat.
Faulsein wird negativ bewertet.

Man könnte die Zeit doch sinnvoll nutzen:

Noch eine Aufgabe erledigen. Noch schnell die E-Mail beantworten. Noch schnell etwas für das eigene Business machen.

Dabei ist Erholung kein Luxus, der erst dann erlaubt ist, wenn alles erledigt wurde.

Denn alles wird vermutlich nie erledigt sein!

Gerade Menschen, die über einen längeren Zeitraum sehr viel leisten, müssen manchmal erst wieder lernen, Pausen als selbstverständlichen Teil ihres Alltags zu betrachten.

Stille kann ungewohnt sein

Auch Stille auszuhalten kann herausfordernd sein.

Solange die nächste Aufgabe wartet, bleibt wenig Raum für andere Gedanken. 

Wenn es plötzlich ruhiger wird, kann etwas hochkommen, das im hektischen Alltag lange keinen Platz hatte:

Gedanken, Gefühle oder Themen, die bisher zur Seite geschoben wurden.

Vielleicht die Erkenntnis, dass die aktuelle berufliche Situation nicht mehr richtig passt.
Vielleicht Unzufriedenheit. Vielleicht Erschöpfung. Vielleicht aber auch einfach das Bedürfnis, einmal nicht funktionieren zu müssen.

Das bedeutet nicht, dass jede beschäftigte Person automatisch vor ihren Problemen davonläuft.
Es gibt sehr unterschiedliche Gründe dafür, warum Menschen viel arbeiten und ihren Alltag vollpacken.

Aber es kann sich lohnen, diesen Zusammenhang bei der eigenen Situation einmal zu betrachten.

Ein Beispiel aus meinem Coaching

Eine Kundin von mir hatte sich eigentlich vorgenommen, ihr eigenes Business weiter aufzubauen.

Sie wusste ziemlich genau, welche Aufgaben dafür wichtig waren und was sie eigentlich umsetzen wollte.

Trotzdem kam sie kaum dazu. Stattdessen nahm sie immer wieder andere Aufträge an, kümmerte sich um zusätzliche Aufgaben und hielt sich mit Dingen beschäftigt, die zwar erledigt werden mussten, sie ihrem eigentlichen Ziel aber kaum näherbrachten.

Zunächst dachte sie, sie brauche ein besseres Zeitmanagement.

Doch bei genauerem Hinschauen wurde etwas anderes sichtbar.

Es fiel ihr schwer, sich zu erlauben, weniger zu arbeiten und nicht ständig beschäftigt zu sein. Pausen fühlten sich für sie nicht wirklich entspannend an. Und die Vorstellung, einen Nachmittag einfach frei zu haben, löste eher ein schlechtes Gewissen als Erleichterung aus.

Denn Leistung war für sie über viele Jahre mit Anerkennung und ihrem eigenen Wert verbunden.

Unbewusst hatte sie gelernt:

„Ich bin liebenswert, wenn ich leiste.“

Und wenn eine solche Überzeugung im Hintergrund wirkt, wird plötzlich verständlich, warum es so schwerfallen kann, Aufgaben abzugeben, Nein zu sagen oder einfach einmal nichts zu tun.

Dann geht es nicht mehr nur um die Frage, wie die Zeit besser organisiert werden kann.

Es geht auch um die persönlichen Muster, die beeinflussen, wie wir mit Arbeit, Leistung, Verantwortung und Erholung umgehen.

Und genau diese Ebene kann bei Zeitmanagement-Problemen interessant werden.

Effizient arbeiten statt ständig beschäftigt sein

Ein voller Kalender ist kein Beweis dafür, dass jemand produktiv ist.

Und beschäftigt zu sein bedeutet nicht automatisch, dass an den richtigen Dingen gearbeitet wird.

Wenn wir unser Zeitmanagement verbessern wollen, geht es deshalb nicht immer nur darum, die vorhandene Zeit besser zu organisieren. Es geht auch darum, die eigene Zeit sinnvoll und effizient einzusetzen und genauer hinzuschauen, welche Aufgaben tatsächlich Priorität haben.

Dazu gehört auch, herauszufinden, welche Aufgaben, Anforderungen oder Verpflichtungen unter Umständen weniger werden dürfen.

Vielleicht müssen bestimmte Dinge gar nicht mehr selbst erledigt werden. Vielleicht können Aufgaben delegiert werden. Vielleicht gibt es Termine, Routinen oder Tätigkeiten, die zwar viel Zeit kosten, aber nur wenig zum eigentlichen Ziel beitragen.

Effizientes Arbeiten bedeutet nicht, möglichst viele Aufgaben möglichst schnell zu erledigen.

Es bedeutet, die eigene Zeit, Energie und Aufmerksamkeit bewusst für die Dinge einzusetzen, die tatsächlich wichtig sind.

Gerade diese Perspektive kann einen größeren Unterschied machen als die nächste Zeitmanagement-Methode.

Zeitmanagement kann helfen – aber es löst nicht jedes Problem

Trotz allem bleibt Zeitmanagement wichtig.

Eine gute Organisation kann dabei helfen, Aufgaben zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und den Arbeitsalltag übersichtlicher zu gestalten.

Aber sie sollte nicht dazu dienen, immer mehr Leistung aus einem ohnehin überlasteten Alltag herauszuholen.

Denn wenn die Zeit nur effizienter organisiert wird, um anschließend noch mehr Aufgaben erledigen zu können, wurde vielleicht das Zeitmanagement verbessert, aber nicht unbedingt der Arbeitsalltag.

Wenn wir unser Zeitmanagement wirklich verbessern möchten, geht es deshalb auch darum, die vorhandene Zeit sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig zu erkennen, welche Aufgaben und Anforderungen weniger werden dürfen.

Manchmal braucht es dafür eine bessere Planung. Manchmal eine klare Grenze. Manchmal mehr Delegation. Und manchmal die Bereitschaft, sich einzugestehen, dass das eigene Pensum auf Dauer einfach zu viel geworden ist.

Es spricht von guter Selbstführung, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen und bewusst zu entscheiden, wofür die eigene Zeit und Aufmerksamkeit eingesetzt werden.

Impuls zur Selbstreflexion

Wenn du das Gefühl hast, dein Zeitmanagement nicht im Griff zu haben, lohnt es sich vielleicht, einmal eine andere Perspektive einzunehmen.

Was von alle den Aufgaben müsste eigentlich gar nicht auf deiner To-do-Liste stehen?

Und:

Was hält dich davon ab, deinen Arbeitsalltag so zu gestalten, wie du ihn eigentlich haben möchtest?

Du musst darauf nicht sofort eine Antwort finden.

Aber es lohnt sich, diese Fragen einmal in Ruhe zu betrachten.

Erkennst du dich in einigen Punkten wieder und merkst, dass dein eigenes Zeitmanagement-Problem ganz andere Ursachen haben könnte, als du bisher dachtest?

Genau hier kann es spannend werden, einmal nicht nur auf die Aufgaben und Termine zu schauen, sondern auf das, was dahinterliegt.

Im Business Coaching nehmen wir uns die Zeit, deine berufliche Situation in Ruhe zu betrachten und herauszufinden, was dich im Alltag tatsächlich belastet und wo du etwas verändern möchtest.

Dabei kann es um sowohl um Zeitmanagement und Priorisierung gehen, aber genauso um Grenzen, Verantwortung, Delegation, Kontrolle, Entscheidungen oder deine eigene Rolle im Berufsalltag.

Du musst dabei nicht schon wissen, was die Lösung ist. Manchmal ist der erste Schritt einfach, sich die eigenen Muster einmal aus einer anderen Perspektive anzuschauen.

Wenn du das Gefühl hast, dass du dich mit diesen Themen gerne in Ruhe auseinandersetzen möchtest, kannst du dich gerne über mein Kontaktformular bei mir melden.

Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Lisa Kirbs
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